Die Geschichte der Versorgung mit den heute normalen Gütern wie Strom, Gas und Wasser begann in Werl zu einer Zeit, als Pferdefuhrwerke noch tief in die ungepflasterten Wege einsanken, der Heimweg aus dem Stadtkrug noch durch stockfinstere Gassen führte und so manche Magd ihren Geliebten unter dem Fenster zwar rufen hörte, aber nicht sah. Talgkerzen und offenes Feuer brannten in Werl und erleuchteten spärlich die vorindustriellen Wohnstuben. Im Gemäuer des heutigen Städtischen Museums (Haus Rykenberg) spukte bereits Museline und die Wallfahrer waren seit über 300 Jahren ein gewohntes Bild in unserer Stadt.
Der im Jahr 1962 beginnende Weg hin zur heutigen Kulturregion Hellweg ist eng mit den historischen Meilensteinen in der Versorgungsgeschichte der Stadt Werl verknüpft und heute der Garant für eine stabile Entwicklung unserer Stadt.
Historie (Überblick)
und ersten Detailplanungen zur Gasanstalt
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1865: Baubeginn des Gaswerkes und Inbetriebnahme
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1886: Erste Überlegungen zur zentralen Wasserversorgung
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1887: Anschluss an die Transportleitung nach Hamm
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1895: Erste Überlegungen zur Stromversorgung
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1897: Abschluss des Konzessionsvertrages mit der Union Elektrizitäts-
Gesellschaft in Berlin
Ferngasleitung VEW
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1961: Restlose Abrüstung der Gasanstalt
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1970: Umstellung von Stadtgas auf Erdgas
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1996: Übernahme der Stromversorgung von VEW
Im Gegensatz zu den meisten deutschen Gemeinden hatte Werl bereits eine Gasversorgung, noch bevor es eine moderne Wasserversorgung für die Stadt gab.
Bis zum Ende der 1960er-Jahre basierte die Werler Gasversorgung noch auf dem so genannten "Stadtgas", welches bei der Verbrennung von Steinkohle gewonnen wurde. Die damalige Bezeichnung „Leuchtgas“ erinnert an die eigentliche Bestimmung des Stadtgases: Beleuchtung der vormals dunklen Gassen. Die Erfindung der Glühlampe sollte erst im Mai 1880 neue, damals unbekannte Möglichkeiten verheißen. Licht ins Dunkel der nächtlichen Stadt zu bringen, die schummrigen Fabrikhallen und Werkstätten zu erhellen, war erklärtes Ziel des Werler Baumeisters und Salineninspekteurs Rudolf Wegener.
Nicht zuletzt, um mit den fortschrittlicheren Nachbarstädten mitzuhalten, setzte er sich in seiner Funktion als Stadtverordneter vehement für den Bau eines Gaswerks in Werl ein. Am 20. April 1865 war es endlich so weit: Der Magistrat und die Stadtverordneten beschlossen, ein Gaswerk auf der Gänsevöhde errichten zu lassen. Nach einer Bauzeit von nur 25 Wochen ging das Werk am 19. November des gleichen Jahres in Betrieb.
Das Gas diente anfangs nur der privaten und öffentlichen Beleuchtung, etwa 40 Laternen erhellten die Straßen. In der Folgezeit wurde die Straßenbeleuchtung weiter ausgebaut und verschiedene Industriebetriebe erhielten Anschluss an das Netz.
Aus Stadtgas wird Erdgas
Fast 82 Jahre lang erzeugte das Gaswerk Brennstoff für Straßenleuchten, Kraftstoff für Gasmotoren und sorgte zunehmend für Wärmeenergie in privaten Herden und Badeöfen. Im Jahr 1947 ordnete das Wirtschaftsministerium von NRW an, angesichts der angespannten Kohlelage die Gaserzeugung still zu legen und den Gasbedarf aus der Ferngasleitung der VEW (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen) zu decken. Das stillgelegte Gaswerk diente danach der Reservevorhaltung und sollte bei Bedarf reaktiviert werden, was jedoch bis zum Abbruch im Jahr 1961 nie geschah.
Das Zeitalter der Stadtgasversorgung endete endgültig 1970. Im Zuge der Umstellung auf Erdgas wurden über 7.700 Gasgeräte in Werl umgerüstet und entsprechende Regler in die Hausanschlüsse eingebaut. Die Ölkrise in den 70er-Jahren sorgte für zahlreiche Umstellungen von Heizöl auf Erdgas und der kontinuierliche Ausbau des Versorgungsnetzes machen Erdgas bis in die heutigen Tage hinein zu einem der wichtigsten Energieträger überhaupt.
2010 umfasst das Gasversorgungsnetz hauptsächlich in der Kernstadt und in zwei weiteren Stadtteilen etwa 116 Kilometer Länge. Der Erdgasabsatz beträgt jährlich rund 280 Millionen Kilowattstunden.
1887 - Wasser kommt jetzt aus der Leitung
Zirka 20 Jahre nach der Inbetriebnahme des neuen Gaswerkes in Werl sollte endlich Schluss sein mit der weitgehend unhygienischen und mühsamen Trinkwasserversorgung aus den städtischen und privaten Brunnenanlagen. Man lebte diesbezüglich noch in mittelalterlichen Umständen und ganze Stadtteile erkrankten oft mit Todesfolge damals an verunreinigtem Wasser. Da kam es den Stadtoberen mehr als recht, als die Stadt Hamm beschloss, durch eine Wasserleitung aus der Ruhr, durch Werl diese Zustände in der eigenen Stadt zu beenden. Die Verhandlungen über einen Anschluss der Stadt Werl an diese Leitung begannen im Juni 1886 und konnten mit dem "Wasserlieferungs-Vertrag" am 16. Oktober des gleichen Jahres erfolgreich ausgehandelt werden.
Als dann der technische Anschluss erfolgte, hieß es im Frühjahr 1887 – unser Wasser kommt jetzt aus der Leitung. Die Netzlänge inklusive der Hauptanschlussleitungen betrug damals gerade mal 18 Kilometer und aus ungefähr 50 Hydranten konnten die Bürger ihr Trinkwasser zapfen.
Im Laufe des Jahres wurden auch die ersten Häuser an das Leitungsnetz angeschlossen. Das Wasser wurde über ein Hochbassin an der Wickeder Straße mit einem Fassungsvermögen von 1.000 Kubikmetern in das Versorgungsnetz eingespeist. Der Behälter existiert noch heute und wurde im Jahr 2004 umfassend saniert.
1969 betrug der jährliche Verbrauch noch ungefähr 2,0 Millionen Kubikmeter und konnte in den Folgejahren dank des bewussteren Umgangs der Bürger drastisch reduziert werden.
Die Stadtwerke Werl beliefern heute über 4.360 Hausanschlüsse und ca. 23.000 Einwohner mit etwa 1,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr.
1897 - Endlich Strom!
Der Startschuss für das Zeitalter der Elektrizitätsversorgung fiel im Dezember 1895 mit einer Diskussion über den Anschluss der Stadt an ein geplantes Elektrizitätswerk in Wickede. Die entsprechenden Planungen zerschlugen sich jedoch und so wurde zwei Jahre später, also 1897 ein erster Konzessionsvertrag zwischen der Union Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin und der Stadt Werl abgeschlossen.
Nach einer Reihe von Eigentümerwechseln und Unternehmensfusionen kam es 1926 zum Abschluss eines neuen Konzessionsvertrags mit der VEW (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen).
Heute versorgen die Stadtwerke Werl rund 33.500 Einwohner über ein 460 Kilometer langes Netz aus Freileitungen, Mittel- und Niederspannungskabeln.
Die Gesamtstromabgabe beträgt jährlich rund 177 Millionen Kilowattstunden.
Die letzten Jahre – Versorgung aus einer Hand
Im Jahr 1996 übernahmen die Stadtwerke Werl die Stromversorgung von der VEW, womit die städtische Versorgungswirtschaft aus einer Hand gesichert war.
In dieser Verantwortung sind viele Projekte in den vergangenen Jahren realisiert worden. Mit dem Austausch der alten Graugussleitungen aus dem zwanzigsten Jahrhundert oder der Inbetriebnahme der Erdgastankstelle im Jahr 2004 bauten die Stadtwerke Werl ihr Dienstleistungsspektrum stetig aus.
Kooperationen mit RWE und WPG machten moderne Angebote wie den Wärmeservice, das Flüssiggasangebot und die Energieberatung möglich. Aus einem kleinen lokalen Gaswerk ist ein modernes Dienstleistungsunternehmen geworden, welches vor Ort Kunden mit Informationen und kostenlosem Beratungsservice zur Verfügung steht.